improvisitation n°2: Elli Weishaupt

Jonglage und Zeichnung

Eigentlich hatten wir vor, etwas gemeinsam auf dem Papier zu probieren, etwas mit verschiedenen Stiften in verschiedenen Farben auf Papier, immer abwechselnd auf dem gleichen Blatt; dann verschiedene Blätter gleichzeitig reihum im 10-Sekunden-Takt. Striche, Formen, Text. Das taten wir auch, was spannend und witzig war. Die Ergebnisse auf dem Blatt waren zwar nicht umwerfend, aber zu bemerken, was man leicht und was man schwierig fand, was Spaß machte, was ein wenig ernüchternd war, wovon man sich vorher mehr versprochen hatte, und was andererseits positiv überraschte: das waren interessante Wahrnehmungen und eine bereichernde Erfahrung.
Was wir von vornherein mehr oder weniger ausgeschlossen hatten, war, dass ich jonglieren würde. Das erschien uns wenig ergiebig und im Zusammenhang mit Zeichnung oder Malerei nicht interessant. Nur um es probiert zu haben, probierten wir es. Und waren beide wie gebannt, was in der gemeinsamen Konzentration passierte. Während ich „meditativ“ meine Bälle warf und fing – rechts-links-rechts-links-rechts… – bemerkte ich irgendwann dass Elli beidhändig zeichnete. Mit einem Bleistift in der rechten und einem Bleistift in der linken Hand saß sie vor dem Blatt und sah beim Zeichnen mehr auf mich und die Jonglage als auf das Blatt auf dem Tisch. Was sie zeichnete konnte ich in dem Moment nicht sehen, aber ich hörte es: das gleichmäßige Geräusch der Bleistiftspitzen vertonte mein Jonglieren bzw. ergänzte die Fanggeräusche der Bälle und Hände zu einem gemeinsamen Soundtrack. Ich war begeistert.